Zwei Pässe > Ein Pass

Eigentlich wollten wir nochmal etwas Urlaub nehmen, um ein paar Tage in Südtirol zu verbringen. Da das Wetter aber nicht so wollte wie wir, konnten wir nur 3 Tage wirklich für einen „Urlaub“ nutzen, an denen das Wetter noch halbwegs mitspielte. Aber der Reihe nach:

Montagmittags ging es über den Brenner in das uns mittlerweile bekannte Gebiet des Sellajochs. Das Wetter sollte halten und wir wollten einen uns oft empfohlenen Klassiker in den Dolomiten einen Besuch abstatten: der Delenda Carthago. Wir können die Schwärmerei im Nachhinein vollends nachvollziehen, es ist wirklich eine wunderschöne Route! Obwohl wir recht spät am Einstieg waren, befand sich kurz vor uns noch eine Seilschaft, die aber nach der ersten Länge bereits wieder abseilte. Die zweite Länge (angegeben mit 6b) wirkte zunächst etwas „abweisend“, bietet aber tolle Kletterei in kompaktem Fels. Dank guter Absicherung ist auch die Routenfindung recht einfach.

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In der 4. Länge der „Delenda Carthago“

Danach wird die Tour nicht mehr schwieriger und bleibt so genussvoll. Nach ca. 2/3 der Route fing es leicht an zu graupeln, was aber den Spaß nicht minderte. Pünktlich zum Ausstieg der 6 Seillängen fing es dann aber an kräftiger zu regnen und wir waren froh, bereits oben zu sein. Da der normale und uns bekannte Abstieg bei nassem Fels keinen wirklichen Spaß macht und keine Seilschaft mehr hinter uns in der Wand war, entschieden wir abzuseilen, was auch recht problemlos geht. Nur der zweite Abseiler ist etwas mühsam, da man ziemlich weit nach links queren muss, um zum letzten Abseilstand zu gelangen.

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Abseilen bei Regen und Nebel

Der Regen wurde nicht weniger und wir waren froh dann schließlich wieder bei Josi anzukommen und uns einen Schlafplatz am Joch zu suchen, den wir etwas ab der Straße auch fanden.

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Unser 1. Schlafplatz

Der nächste Tag war etwas verhext, da es in der Nacht doch kräftig geregnet hatte und unsere geplante Tour, ebenfalls am ersten Sellaturm doch sehr nass war. Glücklicherweise hatten wir auch einen Sportkletterführer dabei und so verschlug es uns in das Sportklettergebiet „Traumpfeiler“ in den Sektor Woodstock. Viel kamen wir leider auch hier nicht zum Klettern, da auch hier die Routen nass waren. Wir vertrieben uns die Zeit mit Kaffee trinken, Seele baumeln lassen auf hohem Niveau 😊

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Klettern am „Traumpfeiler“

Aufgrund der Wetterprognose wären wir fast schon heimwärts unterwegs gewesen. Aus dem Nichts kam dann aber der Vorschlag noch zum Grödner Joch zu fahren, da wir dort (man glaubt es kaum) noch nie waren und ebenfalls schöne Kletterei lockt. Zudem sollte das Wetter dort besser sein als am Sellajoch. Wir fanden einen super Schlafplatz und planten für alle wettertechnischen Gegebenheiten den nächsten Tag. Zunächst wurden wir aber nochmal ordentlich von oben geduscht, bevor sich dann ein Wahnsinns-Sonnenuntergang und anschließend ein toller Sternenhimmel bot.

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Unterm Sternenzelt

Auch am nächsten Tag war uns der Himmel wohlgesonnen und so machten wir uns am nächsten Tag auf den Weg zur Südwand der großen Cirspitze (2592m) um in die „Demetz-Führe“ einzusteigen. Tolle alpine Tour mit stellenweise luftiger Kletterei:

  1. SL: Am Einstieg sollte eine Sanduhr sein, die wir aber leider nicht fanden. Der zu kletternde Riss ist aber leicht zu finden und logisch zu klettern.
  2. SL: Es geht gerade weiter bis zu einem gelben Überhang (einige Schlaghaken) und dann an guten Griffen rechts um das Dach zum Stand.
  3. SL: Ab in den markanten Kamin, bis zu dem mit einer abenteuerlichen Konstruktion aus Sanduhren und Seilenden eingerichteten Stand.
  4. SL: Den Kamin weiter hoch, dann nach links luftig um die Kante und dann leicht links halten hinauf auf das exponierte Band.
  5. SL: Über die angedeutete Rinne auf zum Turm, dort befindet sich ein Sammelsurium an Schlingen in großer SU und Köpfle. Jetzt 10m abseilen in die Scharte zum exponierten Band (Das Abseilen stand komischerweise in keinem Führer, Abklettern würde zwar gehen, ist aber die unsichere Variante.
  6. SL: Vom Sanduhr und Köpfle-Stand, den Riss empor. Am gelben Überhang leicht links queren, danach kommt ein Stand an einer Sanduhr.
  7. SL: Super cooler Quergang and vielen Sanduhren nach links.
  8. SL: Gerade hoch an super Fels und vielen Sanduhren zum Absichern hinauf. Der Stand war bei uns eine Sanduhr und ein Schlaghaken.
  9. SL: Den Riss hinauf, dann Links-Rechts-Schleife zur Verschneidung, diese hinauf zum Stand an 2 alten und 1 neuem Haken.
  10. SL: Man umgeht den Turm rechst haltend Richtung Norden und gelangt nach ca. 40 m zum Gipfel.
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Das Ende der 4. Länge

Das Wetter spielte mit und nach dem einfachen Abstieg über den Normalweg (Klettersteigsicherungen 2x vorhanden, aber nicht unbedingt notwendig) genossen wir ein eingekühltes Tegernseer bei bester Jause und anschließendem Kaffee und legten uns danach noch auf eine der Almwiesen in die Sonne. Abschluss war dann noch eine Pizza in Wolkenstein, die wir uns gehörig schmecken ließen. Südtirol überzeugt einfach immer wieder.

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Gipfelanflug