Ich (Steffi 😉 ) kann mich noch genau daran erinnern als ich das 1.Mal schwanger wurde und sich mir dann sogleich die Frage stellte: „Was kann ich nun sportlich noch problemlos ausüben?“ Einiges Grund-Know-How habe ich durch mein Sportstudium mitgebracht und dennoch: Wenn es plötzlich seinen eigenen Körper betrifft, denkt man oftmals ganz anders darüber nach. Mir war also klar, dass in der Schwangerschaft Schwimmen, Wandern und Mobilisation kein Problem darstellen wird, dies sagt einem auch jede Empfehlung für Sport in der Schwangerschaft. Das wäre mir allerdings viel zu wenig gewesen, denn schließlich habe ich vor der Schwangerschaft bzw. vor den Kindern fast täglich Sport betrieben und nicht nur die gemütlichen moderaten Sportarten. Da ich damals über jegliche Erfahrungsberichte von anderen Frauen sehr froh war, werde ich nun meine persönlichen Erfahrungen meiner beiden Schwangerschaften teilen und insbesondere auf die Sportart Klettern eingehen, da mich vor allem beim Klettern viele gefragt haben, ob denn das schon noch gut geht.
Vorab sei gesagt, dass ich bei beiden Schwangerschaften weder eine Risikoschwangerschaft hatte noch irgendwelche Einschränkungen von Seiten des Arztes. Zudem hatte ich zwei sehr unkomplizierte bzw. problemlose Schwangerschaften. Am meisten machte mir in der 1.Schwangerschaft die Symphyse zu schaffen, daher habe ich mich im Wasser sehr wohl gefühlt und bin zum Schluss mehr mit dem Rad gefahren als zu Fuß gegangen. Bei der 2. Schwangerschaft hatte ich leichte Kreuz- und Steißbeinbeschwerden, welche ich durch Osteopathie allerdings gut in den Griff bekam. Ansonsten hatte ich zum Glück keine erwähnenswerten Probleme.

Die beiden Schwangerschaften haben sich, obwohl beide problemlos waren, dennoch unterschieden, vor allem was das sportliche Pensum und die Belastungen betraf. So habe ich in der ersten Schwangerschaft weiterhin einen sehr aktiven Lebensstil geführt und sehr darauf geachtet nicht zu schwer zu heben und habe viel Zeit in Beckenbodentraining investiert. Das hat sich natürlich positiv bezahlt gemacht. In die 2.Schwangerschaft bin ich definitiv nicht so fit wie in die erste gestartet und habe auch während der Schwangerschaft viel weniger Bewegung und Sport betrieben, es war ja schließlich schon ein Kind da, da fehlt es einfach ständig an der Me-Time. Zudem habe ich in der 2.Schwangerschaft zwangsweise oftmals zu schwer gehoben (das 1.Kind wiegt dann halt mehr als 5 kg😊). Ich habe allerdings immer sehr darauf geachtet den Beckenboden bewusst zu aktivieren und das hat definitiv geholfen.
Was ich bei beiden Schwangerschaften ab Beginn sofort gemerkt habe, war die reduzierte Lungenkapazität und von dem her hat das Laufen bald nicht mehr viel Spaß gemacht und je fortgeschrittener die Schwangerschaft war umso unfeiner wurde es, daher war Laufen für mich keine perfekte Sportart in der Schwangerschaft. Es gibt aber viele Frauen, die sehr lange sehr happy damit sind. Krafttraining habe ich ebenfalls bei beiden Schwangerschaften betrieben aber die Übungen habe ich gut angepasst. Den geraden Bauchmuskel habe ich überhaupt nicht mehr trainiert, den seitlichen aber schon noch. Zudem habe ich nur mit eigenem Körpergewicht trainiert, bzw. war dies dann auch oftmals zu intensiv und ich habe mit ganz leichten Gewichten trainiert. Vor allem habe ich darauf geachtet die Muskulatur im Gesäß und Beckenbereich, sowie im Rücken zu trainieren, damit die Belastung durch das zusätzliche Gewicht besser verkraftbar ist. Mobilisation und Blackroll tat als Ausgleich immer sehr gut und den Atemtechniken bereits in der Schwangerschaft etwas Aufmerksamkeit zu geben schadet auf keinen Fall, da die Atmung bei der Geburt sehr unterstützend wirkt.
Mountain Biken war ich bei der ersten Schwangeschaft bis ca. Woche 25, danach ergab es sich zuerst nicht mehr und dann war der Bauch beim bergauf fahren auch schon sehr groß und die Lungenkapazität wurde auch nicht besser. Bergab bin ich am Anfang ganz vorsichtig noch ganz einfache Minitrails gefahren, dann bald nur noch Forststraße. Ich bin aber auch nicht die Bikerin, also war ich da einfach super vorsichtig. Bei Schwangerschaft 2 habe ich zum Schluss das E-Bike genutzt und konnte so noch ganz entspannt in die Berge.

Wandern war bei der ersten Schwangerschaft aufgrund der Symphyse zum Schluss nicht mehr so angenehm. Bergab bin ich dann teilweise rückwärts gegangen, das ging besser und so habe ich auch noch bis 3 Tage vor Geburt kleine Wanderungen wie bspw. Auf die Arzleralm gemacht. Bei der zweiten Schwangerschaft ging das bis zum Schluss sehr gut.
Schwimmen war die Sportart in Schwangerschaft 1, ich habe mich so schwerelos gefühlt und habe die Zeit im Wasser so sehr genossen, es war zum Schluss der einzige Ort wo ich mich richtig wohl gefühlt habe und so war ich bis einen Tag vor der Geburt noch Schwimmen.
Ballspiele waren bei der ersten Schwangerschaft ebenso hoch im Kurs und so habe ich in der 32. Woche noch mit Freunden Beachvolleyball gespielt und bis zum Schluss Tischtennis und Spikeball. Bei der zweiten Schwangerschaft kam ich zu diesen Sportarten einfach zeittechnisch leider nicht.
Die zwei Sportarten die ich allerdings bei beiden Schwangerschaften häufig betrieben habe und die auch sonst meine Lieblingssportarten sind, sind waren das Skitouren gehen und das Klettern.
Skitouren ist finde ich eine sehr schwangerschaftsfreundliche Sportart, da die Belastung aufwärts viel moderater ist als bspw. Beim Laufen und so die eingeschränkte Lungenkapazität nicht so sehr einschränkt, man ist halt einfach als gesamtes etwas langsamer am Weg, aber das tut ja nicht weh und das Abfahren macht, auch wenn man so fahren sollte, dass man nicht stürzt, immer Spaß.
Zum Abschluss nun wie bereits angekündigt etwas detaillierte, das Klettern!!!
Viele fragen sich, darf ich, wenn ich schwanger bin noch klettern? Macht der Gurt etwas aus? Macht es etwas aus, wenn ich stürze? Vorab möchte ich sagen, jede Frau muss selbst entscheiden was für sie gut ist und wenn ich noch nie klettern war, werde ich diese Sportart in der Schwangerschaft nicht anfangen. Wenn klettern aber Teil seines Lebens ist spricht aus meiner Sicht absolut nichts dagegen. Ganz im Gegenteil für mich war klettern eine DER Sportarten die sich perfekt in der Schwangerschaft eigenen, denn an der Wand mit etwas Zug von oben (beim Toprope klettern) fühlt man sich nicht so träge wie am Boden und kann sich noch viel freier bewegen. Ich bin daher bei beiden Schwangerschaften bis 2 Wochen vor Geburt geklettert, bzw. habe ich mich an der Wand bewegt 😊 Ich bin in der Schwangerschaft keine Mehrseillängen geklettert, da ich Hängestände vermeiden wollte und im alpinen fühlte ich mich als Schwangere dann irgendwie doch nicht ganz so wohl, wobei man da auch sagen muss, dass meine Schwangerschaft schon immer etwas fortgeschritten war, als ich von Wetter/Jahreszeit die Möglichkeit für eine MSL gehabt hätte.

Sichern und Stürzen stellt vor allem am Anfang auch kein Problem dar, da der Gurt ja nicht am Bauch sondern am Rücken zieht. Ich habe es allerdings in der 1.Schwangerschaft vom Kopf nicht geschafft im Vorstieg zu klettern und bin ab „Tag 1“ nur noch im Nachstieg geklettert. In der zweiten Schwangerschaft bin ich ganz am Anfang noch im Vorstieg geklettert, dann hatte ich aus anderen Gründen 4 Monate keine Möglichkeit zu klettern und dann bin ich auch nur noch im Nachstieg geklettert.
Hinsichtlich des Gurtes bin ich so lange es ging, bei mir war es um die 30igste Schwangerschaftswoche mit dem Hüftgurt von Felix geklettert, das ging super und hat sich echt gut angefühlt. Dann aber wurde auch der irgendwann zu klein und dann habe ich auf einen Ganzkörpergurt gewechselt, was sich für mich sehr gut angefühlt hat. Felix hat, wenn wir gemeinsam unterwegs waren und ich ihn gesichert habe, in der Zeit ab dem Ganzkörpergurt nichts projektiert bzw. ist meist leicht unter seinem Niveau geklettert um nicht ewig viel zu stürzen. Für mich hat sich ein Sturz beim Sichern aber eigentlich gut angefühlt, aber dennoch wollten wir zum Schluss nicht unnötig den Bauch „einquetschen“.
Vom Niveau bin ich doch deutlich unter meinen normalen Schwierigkeiten geklettert und sobald es steil wurde hatte ich kaum eine Chance, der Bauchmuskel und die Körperspannung fehlen einfach. Am Anfang hatte ich damit etwas zu kämpfen bis ich begriff, dass es einfach nur um die Bewegung an der Wand und das Erlebnis draußen geht und ein dahin moven auch schön ist, weil klettern an und für sich einfach Spaß macht, ganz egal wie schwer. In der ersten Schwangerschaft war ich kein einziges Mal in der Halle (im Winter war Corona und im Sommer war ich draußen). In der zweiten Schwangerschaft war ich doch ein paar Mal in der Halle und das ging auch echt super, leichte Routen ging ich da sogar im Vorstieg und ansonsten auch hier im Nachstieg oder die Toppaslinien.
Ich kann klettern in der Schwangerschaft wirklich sehr empfehlen und finde auch, dass es eine super Sportart für nach der Geburt ist, da es den gesamten Körper benötigt und keine starke Belastung für den Beckenboden darstellt und den gesamten Rumpf gut trainiert, der nach der Geburt ja schonend wieder aktiviert werden muss und im Alltag mit Kind viel benötigt wird. Natürlich ist es total subjektiv und wenn sich das klettern oder auch einfach nur da Sichern für einen nicht gut anfühlt, dann sollte man es auch sein lassen, denn nur weil es bei manchen Frauen gut klappt, heißt das nicht, dass es für alle die Sportart in der Schwangerschaft ist. Aber es ist definitiv einen Versuch wert es zu probieren, denn insbesondere beim Klettern ist die Leidenschaft oft groß und ein nicht Klettern in der Schwangerschaft würde doch eine starke Veränderung darstellen und man darf auch seine psychische Gesundheit nicht vergessen. Zudem, wenn es die 1.Schwangerschaft ist, kann ich nur empfehlen die Zeit am Fels mit dem Partner noch zu genießen, denn mit Kind werden die Klettertag nicht mehr 😊
In diesem Sinne wünsche ich Dir eine unkomplizierte und aktive Schwangerschaft und viele schöne Stunden bei deinen Sportarten und vielleicht auch am Fels. Genieß die Zeit noch und nutze die Schwangerschaft, um dich langsam daran zu gewöhnen, dass deine Aktivitäten und dein Leben nach und nach mehr vom kleinen Zwerg bestimmt werden. Aber so anstrengend eine Schwangerschaft oder auch ein Kind sein können, so unbeschreiblich schön und einzigartig sind viele Momente mit den Kleinen, das entschädigt dann doch oftmals für die Touren die eine zeit lang nicht mehr geklettert werden können.
